Gesellschaft für Afrikanische Philosophie e.V.

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Berlin, 26.4.2009

An Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel
Willy-Brandt-Straße 1

10557 Berlin

 

Offener Brief an die Regierung der Bundesrepublik Deutschland

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel,
Sehr geehter Herr Außenminister Franz-Walter Steinmeier,

Die Gesellschaft für afrikanische Philosophie (GAPh) verurteilt scharf den Boykott der Nachfolgekonferenz von Durban der UNO gegen Rassismus in Genf durch die Bundesrepublik Deutschland.
In einer Zeit, in der in der EU rassistische Tendenzen vermehrt zunehmen, und angesichts der drastischen Zunahme von rassistisch motivierten Gewalttaten in Deutschland, ist es unverantwortlich von der Bundesrepublik Deutschland, an einer internationalen Konferenz gegen Rassismus nicht teilzunehmen, und dies besonders auf dem Hintergrund, dass Deutschland auch weiterhin von Amnesty International rassistische Tendenzen in Bezug auf seine Polizeikräfte attestiert wird.

Wie Sie wissen, wurden auf der Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängende Intoleranz, Durban (Südafrika), 31. August bis 8. September 2001 - neben allumfassenden Maßnahmen gegen Rassismus - wichtige Weichen gestellt für die Anerkennung und Wiedergutmachung der Sklaverei und der damit verbundenen Verbrechen an den Völkern und Kulturen Afrikas. Auf Durban II in Genf wurden diese Vereinbarungen jetzt aktualisiert und auf erste Ergebnisse hin überprüft.
Obwohl auf der Konferenz in Durban klare Formulierungen gegen Antisemitismus und für ein bleibendes und mahnendes globales Gedächtnis der Gräueltaten im Holocaust getroffen wurden, blieb neben den USA, Kanada, Australien und Italien auch Deutschland der Konferenz in Genf fern. Vorwand, Wiedergutmachungsvereinbarungen und die Wiederherstellung der Würde der Opfer des Sklavenhandels zu umgehen, war der Umstand, dass muslimische Länder Israel zu stark in die Kritik nehmen würden. Und tatsächlich hat der iranische Präs ident Ahmadinejad sein Rederecht als Mitglied der UNO missbraucht, um seine antisemitischen Äußerungen zu verbreiten. Zu Recht wurde er von UNO-Generalsekretär Ban diesbezüglich getadelt.
Jedoch ist erstens zu bemerken, dass es nichts hilft, falschen und demagogischen Bemerkungen aus dem Weg zu gehen. Ihnen gehört sachlich und bestimmt in demokratischer Dialogkultur widersprochen. Diese kann existieren, auch wenn sich nur ein Gesprächspartner daran hält bzw. wenn es nur einer nicht tut.
Zweitens kann es nicht angehen, dass es zum Tabu wird, Israel zu kritisieren. Wahrer Rassismus und wirkliche Diskriminierung ist es, einen Menschen, eine Gruppe, ein Land nicht in gerechter Weise wie alle anderen Länder auch zu behandeln. Verschiedene Maßstäbe von Gerechtigkeit anzulegen, nur aus der Bigotterie heraus, es sich nicht mit wichtigen Wirtschaftspartnern zu verscherzen, ist leider zu lange und zu oft Politik der Bundesregierung gewesen, und das Partei übergreifend. Ein wahres Gedenken an und ewiges Bewusstsein über die furchtbaren Schrecken und das unendliche Leid der Shoa sollte in unserem Land ernster genommen werden als bisher. Denn wie das lateinische Sprichwort richtig sagt: Wer zum Gericht der Gerechtigkeit kommt, sollte dies mit sauberen Händen tun. Nur da nn gibt man durch seine Reue und durch mitleidiges Erinnern den Opfern des Unrechts besonders in unserem Staat ihre Würde zurück.
Die Gesellschaft für afrikanische Philosophie fordert die Bundesregierung auf, die Abschlusserklärung von Durban II vom 24.4.2009 zu ratifizieren, und aktiv mit den anderen Mitgliedern der Weltgemeinschaft unter der Ägide der UNO alle Formen von Rassismus zu bekämpfen.

Hochachtungsvoll
Roger Künkel
Präsident der Gesellschaft für afrikanische Philosophie